Frauenarzt Privatpraxis Dr. G. Wenzl München
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Phytotherapie

Unter Phytotherapie (griech. phyton = Pflanze, therapeia = Pflege) oder Pflanzenheilkunde versteht man die Behandlung und Vorbeugung von Krankheiten durch Pflanzen, Pflanzenteile und deren Zubereitungen.
Die Phytotherapie ist wohl die älteste Therapieform überhaupt. Es ist anzunehmen, daß die gesamte Medizin aus der Pflanzenheilkunde hervorgegangen ist.


Der erste "Arzt" dürfte ein Phytotherapeut gewesen sein. Ein Urmensch beobachtete, wie ein Fleischfresser Pflanzen fraß und machte sich Gedanken darüber. Wahrscheinlich hat er auch gesehen, daß sich Katzen und Hunde das Erbrechen erleichten, indem sie Gras fressen. Als es ihm selbst einmal wegen eines verdorbenen Magens schlecht ging, erinnerte er sich an das Gesehene und aß selbst die Pflanzen - vielleicht war die Kamille darunter - wie er es bei den Tieren gesehen hatte. Es ist anzunehmen, daß es ihm danach besser ging.
Als es einem Mitglied seiner Gruppe aus dem gleichen Grunde schlecht ging, gab er ihm die gleichen Pflanzen zu essen, und auch diesem "Patienten" dürfte es besser gegangen sein. Das war der Beginn der Medizin überhaupt. Der erste Arzt hatte dem ersten Patienten ein pflanzliches Remedium gegeben. Die gesamte Medizin und somit auch die Phytotherapie ist zunächst aus reiner Beobachtung und Erfahrung entstanden. Wurde dann aber natürlich immer weiter entwickelt, bis sie unseren heutigen Stand erreichte.
Pflanzen werden in der Therapie eingesetzt als Frischpflanzen, als Drogen oder als Extrakte, die auch zu Tees, Kapseln, Tropfen oder Salben weiterverarbeitet werden koennen. Die pflanzlichen Medikamente haben ein breites Wirkungsspektrum, allerdings gibt es hinsichtlich der Wirksamkeit bei den Pflanzen und auch bei den Präparaten große Unterschiede. In der Regel haben sie keine - oder zumindest wesentlich weniger - unerwüschete Nebenwirkungen als synthetische Medikamente. Auch Befindensstörungen wie beispielsweise Nervosität werden mit pflanzlichen Präparaten behandelt.

Sonderformen der Phytotherapie sind die TCM (Traditionelle Chinesische Medizin) und die Ayurvedische Medizin, die aus Indien stammt und auch in unseren Breiten immer mehr Beachtung findet.

In der Pharmakologie werden die Pflanzen nach ihrer Wirksamkeit in drei Arten eingeteilt:
milde oder als Mite bezeichnete Pflanzen
starke, mit Forte gekennzeichnete Pflanzen
alle sonstigen, dazwischenliegende Pflanzen, die keine besondere Kennzeichnung haben

Die Phytotherapie ist wie die Homöopathie eine spezielle Therapierichtung, die neben naturwissenschaftlichen Bewertungsmaßstäben auch vorhandenes Erfahrungsmaterial heranzieht. Man unterscheidet die rationale oder allopathische Phytotherapie, die auf der naturwissenschaftlich begründeten Medizin basiert und die traditionelle Phytotherapie, die sich aus der Volksheilkunde entwickelt hat. Erstere erhebt den Anspruch, kausal und symptomatisch der Krankheit entgegenzuwirken, während die Tradition sich auf überlieferte Erfahrungen (ich erinnere an den Urmenschen) stützt.

Im Gegensatz zur Homöopathie läßt sich die Wirkungsweise der Phytopharmaka innerhalb des naturwissenschaftlichen Weltbildes erklären. Ein wichtiger Unterschied diesbezüglich ist die Dosis-Wirkungsbeziehung: je höher in der Phytotherapie die Dosis, desto stärker ist auch die Wirkung, während es sich in der Homöopathie genau umgekehrt verhält. Wie ich bereits Eingangs ausführte, gehört die Phytotherapie zu den ältesten Therapieformen, die wir kennen - wenn sie nicht die erste überhaupt war. Gesicherte Berichte sagen aus, daß bereits vor mehr als 3000 Jahren in China und Indien Krankheiten mit Hilfe von Heilpflanzen behandelt wurden. Sie wurden in allen Hochkulturen eingesetzt und waren die wichtigsten Heilmittel bis zum Beginn des vorigen Jahrhunderts. In unserem Kulturkreis war der Grieche Diokles von Karytos der erste, der um 350 v. Chr. die Zubereitung und Anwendung von Pflanzen des östlichen Mittelmeerraumes beschrieb. Ein weiterer Grieche, Galen (129-199 n. Chr.), faßte in einem vielbändigen Werk die zu dieser Zeit bekannten Heilpflanzen mit detaillierten Zubereitungsanweisungen zusammen. Seine Ausführungen galten durch das ganze Mittelalter hindurch als verbindlich.
Mit Paracelsus (1493-1541) begann eine Systematisierung der heimischen Heilpflanzenkunde in seinem Werk "Herbarius". Er versuchte, durch Destillation die Essenz der Pflanze, das "Arcanum", von den unbrauchbaren Bestandteilen zu trennen und so den reinen Wirkstoff zu gewinnen. Auf diese Weise erhielt er die ersten alkoholischen Pflanzenauszüge.

Aus dieser Zeit stammen auch detaillierte Zeichnungen von Heilpflanzen in Kräuterbüchern. Im 15.und 16. Jahrhundert entstanden die ersten Herbarien, also Sammlungen getrockneter Pflanzen, und botanische Gaerten in Nürnberg, Padua, Pisa, Bologna und Heidelberg. Durch genaue Beobachtung und Beschreibung der Pflanzen und ihrer Wirkungen entwickelte sich die Phytotherapie zu einer Erfahrungswissenschaft, die zunehmend naturwissenschaftlich vorging.
Die Pflanzenheilkunde entwickelte sich nun weiter in der traditionell naturheilkundlichen Richtung. Einer der Verfechter war Sebastian Kneipp. Es wurde aber auch in Richtung Phytochemie geforscht. So konnte z.B. aus dem eingetrockneten Milchsaft des Schlafmohns das Morphin aus dem Opium isoliert werden. Dadurch waren weitere pharmakologische Untersuchungen möglich. Isolierte Inhaltsstoffe und deren Derivate sind allerdings keine Phytopharmaka mehr, sondern chemische Substanzen. Die pflanzlichen Medikamente wurden immer weiter in den den Hintergrund gedrängt, weil die pharmazeutische Industrie in den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts Medikamente auf synthetisch-chemischen Wege herstellte, die stärker und schneller wirkten. Heute gilt die Pflanzenheilkunde jedoch als wertvolle Ergänzung oder Alternative zu chemischen Behandlungen.

Heilpflanzen werden entweder als Frischpflanzen, häufiger jedoch als Drogen oder Extrakte zum Behandeln von Krankheiten verwendet.
Frischpflanzen können auf verschiedene Weise zubereitet werden. Man kann ihre safthaltigen Teile wie Frühte auspressen, ihnen Wundreize zufügen und die ausgeschiedenen Sekrete verwenden, Pflanzenteile destillieren, um ätherische Öle zu gewinnen, oder ölige Auszüge herstellen. Hierzu werden etwa Blüten in Oliven- oder Mandelöl eingelegt, um die darin enthaltenen Wirkstoffe in das Öl einzubringen. Aus Frischpflanzen werden sogenannte Drogen hergestellt durch Trocknung von Pflanzenteilen, also etwa den Wurzeln, Blättern, Blüten oder Samen oder durch Gewinnung von Ölen, Harzen und Wachsen, die keine Zellstruktur mehr aufweisen.
Extrakte entstehen dadurch, daß den getrockneten Pflanzenteilen spezielle Extraktionsmittel, z. B. Ethanol oder Wasser, zugesetzt werden (alkoholische oder wässrige Auszüge) und sich die Inhaltsstoffe darin lösen. Danach werden in speziellen Verfahren die Inhaltsstoffe weiter "eingeengt", z.B. wird das Extraktionsmittel verdampft. Die Endprodukte sind Trocken- oder Spezialextrakte, die in Säften oder Kapseln weiterverarbeitet werden.
Die Frischpflanzen und Drogen finden also Verwendung in
wässrigen Auszügen: Tees (Aufgüsse, Abkochungen, Kaltauszüge) und
alkoholischen Auszügen (Tinkturen; Extrakte zur Weiterverarbeitung)
Das verwendete Pflanzenmaterial sollte aus kontrolliertem Anbau stammen, um eine möglichst hohe Wirksamkeit und Unbedenklichkeit zu garantieren. Die meisten Pflanzen, die in Deutschland zu medizinischen Zwecken verwendet werden, werden aus Ländern importiert, die noch nicht die hohe Schadstoffbelastung der Luft und des Bodens wie Deutschland haben. Damit pflanzliche Medikamente exakt dosiert werden können, müssen sie bezüglich des Wirkstoffgehaltes standardisiert sein.

 

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